Alexander von Wiedenbeck | Books
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HOPE – by Alexander von Wiedenbeck

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt – so heißt es doch. Aber ist dem wirklich so? Kann es Hoffnung geben, wenn Kinder auf Friedhöfen leben und in Gräbern nächtigen müssen? Kann es Hoffnung geben, wenn junge Mädchen, kaum acht Jahre alt, von ihrem Onkel oder Großvater missbraucht werden? Kann es Hoffnung geben, wenn die Kinder von früh morgens bis spät abends in Müllhalden nach Verwertbarem suchen, um am Ende des Tages mit Glück eine Mahlzeit zu bekommen? Kann es Hoffnung geben, wenn ein kleines Mädchen in der Zwangsprostitution bereits zwei Abtreibungen hinter sich hat?

Die Antwort – ein klares JA – es sind der Glaube, die Liebe und die Hoffnung, welche die Kinder antreiben. Die Hoffnung auf ein besseres Leben & das Streben nach Glück treiben sie an und geben ihnen Kraft. Zwischen all dem Durcheinander, der Armut und den dunklen Schatten, ist es diese Hoffnung und dieser unbeirrbare Glaube, welchen man in den Augen der Kinder sehen und in ihren Herzen spüren kann. Sie machen weiter, sie kämpfen, sie geben nicht auf… und das dürfen wir auch nicht!

 

Ein Vorwort von Gisela Wirtgen

 

Der Besuch unserer philippinischen Hilfsprojekte, gemeinsam mit dem Fotografen Alexander von Wiedenbeck, war für mich so etwas wie eine Reise zu den Anfängen unserer Aktionsgruppe „Kinder in Not“. Ich erinnere mich noch gut an einen unserer ersten Abende in Cebu City. Den ganzen Tag waren wir auf den Müllkippen und Friedhöfen der Stadt unterwegs gewesen, hatten die Not und das Elend der dort lebenden Kinder gesehen, waren mit der Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit in ihrem Dasein konfrontiert worden. An diesem Abend fragte Alexander mich, ob man hier überhaupt helfen kann. Genau diese Frage hatte ich mir vor 34 Jahren auch gestellt.

Als ich Anfang der 80er Jahre einen Bittbrief von einem philippinischen Pater erhielt, ahnte ich nicht, dass dieser Hilferuf mein ganzes Leben verändern würde. Ich reiste damals auf die Insel Cebu, um mir einen Eindruck von der dortigen Situation zu verschaffen. Das Bild eines von Rattenbissen entstellten kleinen Babys, in einer halb verfallenen Nipa-Hütte, brannte sich tief in mein Gedächtnis ein. Was dann, zurück in Deutschland, zunächst als kleine, private Hilfsinitiative begann, ist im Laufe der Jahre zu einer großen Organisation herangewachsen.

Die Reise mit Alexander endete in der kleinen Provinzgemeinde Alegria, in der meine Arbeit damals begann. Ich sah das Leuchten in Alexanders Augen, als wir von über 800 Schülerinnen und Schülern unserer St. Peter Academy freudestrahlend empfangen wurden; als Mütter mit ihren Kindern, denen in unserem Krankenhaus geholfen worden war, uns dankbar begrüßten; als die Farmer uns stolz ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse präsentierten; als die Familien in unseren Gesundheitszentren und Vorschulen in den Bergregionen zusammenströmten. Ich denke spätestens hier wurde Alexander bewusst, was man mit den Mitteln der Spender alles bewirken kann.

Die Fotos, die während unserer gemeinsamen Reise entstanden sind, verdeutlichen sehr eindrucksvoll, wie viel es noch zu tun gibt. Sie zeigen Kinder, die zwischen den Müllkippen aus Krankenhaus- und Hotelmüll nach Essbarem suchen. Kinder, die mit nackten Füßen inmitten von Glasscherben und Metallresten spielen. Mausoleen, die letzter Zufluchtsort für ganze Familien geworden sind. Mädchen und Jungen, die auf nackten Grabsteinen schlafen. Alexander war mit seiner Kamera mitten unter ihnen. Neben der grausamen Realität hat er aber auch die Hoffnung in den Augen der Mädchen und Jungen eingefangen. Meine persönliche Lieblingsaufnahme ist ein Bild mit einer Gruppe von Kindern, welche voller Kampfgeist und Stärke posieren. Jedes von ihnen eine kleine Persönlichkeit. Das Bild zeigt ihre Kraft, ihren Willen und all ihre Zuversicht und motiviert uns, unser Engagement in der Zukunft auch weiterhin auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen zu konzentrieren.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Alexander bedanken, dass er mit seinen eindrucksvollen Bildern den Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, ein Gesicht gibt.

 

Gisela Wirtgen
Gründerin der Aktionsgruppe Kinder in Not e.V.

Eine Revolution „Back to Basics“

 

Vielleicht entstand alles einer Naivität heraus, auch weiß ich nicht wie ich es beschreiben soll, doch der Gedanke daran umkreiste mich immer und immer wieder. Es war der Gedanke etwas „Echtes“ zu erschaffen. Sicherlich ist es ein Sprung ins Ungewisse gewesen, aber wenn man sich einmal einer Sache berufen fühlt, gibt es einem das Gefühl, dass es kein zurück mehr gibt – was unglaublich ist!

Im Nachhinein betrachtet, war es die Rebellion nach Freiheit die es uns ermöglichte, bewusst oder unbewusst, tatsächlich echte Momente zu erleben. Wie ein roter Faden zog sich diese Freiheit durch die Tage und war dabei für jeden Weggefährten auf dieser Reise allgegenwärtig, bis ins kleinste Detail.

Vor 15 bis 20 Jahren wäre es sicherlich nichts besonderes gewesen, doch spürt man dieser Tage deutlich, dass das freie Schaffen und Tun immer mehr in den Hintergrund gerät. Die digitale Zeit mit Ihrer Schwemme an Informationen und Techniken, die Reizüberflutungen in der westlichen Welt, es scheint als wären wir alle nur Marionetten der uns gegebenen Mittel. Klar, wir können und dürfen uns dem Fortschritt nicht verwehren und sicherlich hat er seine Daseinsberechtigung, aber auch wenn der neue und moderne Weg zu unseren Zielen vielleicht ein anderer ist, muss deshalb das Ziel auch ein anderes sein? Sollten wir bei unseres Zielen nicht darauf achten, die alten Werte nicht zu vergessen, uns selbst treu zu bleiben und die Wahrheit, die Authentizität und die Freiheit im Fokus behalten?

Es scheint mehr, als wäre es bereits salonfähig flache Bilder und guten Willen als künstlerischer Freiheit durch zu winken. Diese Versionen von Wahrheit sind jedoch bestenfalls kühne Behauptungen und Unwahrheiten. Vielleicht ist es die Schnelllebigkeit, durch welche die Menschen einen verschleierten Blick auf die Dinge bekommen, doch eines ist gewiss, mehr denn je zuvor müssen wir darauf achten, dass wir uns da draußen nicht verlieren.

Vielleicht muss man sich als analoger Spieler, in einer digitalen Welt, der Ehrlichkeit bewahren, selbst „echt“ bleiben und niemanden etwas vor machen. Vielleicht muss man aber auch sein Leben zu einem Kunstwerk machen, aus dem Impuls heraus etwas Unerwartetes sein und erschaffen. Vielleicht sollte man in seinen Träumen, jede Nacht, an genau diese Gedanken festhalten. Und vielleicht sind genau das die Gedanken, die einen für den Rest seines Lebens durch den Tag geleiten. Wenn es auch mehr als nur eine ungewöhnliche Denkweise eines Fotografen sein mag, oder es gar hochgradig neurotisch klingen sollte, es ist vielleicht genau dieses Wechselspiel aus Illusion und Wahrheit, welches das Leben so spannend macht. Man plant in eine Richtung, doch plötzlich ergibt sich eine völlig neue Möglichkeit und es geht in eine ganz andere Richtung.

Für mich, aus meiner Position heraus, ist es gerade zu ein Privileg gewesen, dass ich hier auf dieser großartigen Reise mit vier wirklich wundervollen Frauen als stiller Beobachter fungieren durfte. Jede einzelne von Ihnen hat mich dabei unglaublich geprägt und ist nun ein bedeutender und wichtiger Teil geworden. Dabei kamen Sie doch auf so verschiedene Weise in mein Leben. Man kann versuchen nach Ihnen zu suchen, man kann danach streben die perfekte Ergänzung für eine solche Reise zu finden, doch stellt man dann am Ende fest, dass es das reine Schicksal war, welches unsere Wege zusammen führte.

Sicherlich geht man nun nicht einfach an einer Ort seiner Wahl und sagt, „ok“ hier sind wir jetzt. Es steht vielleicht ein Thema im Raum, oder man schafft ein fiktives Szenario, oder aber, wie in unserem Fall, man hat einfach eine Geschichte die einem als Leitfaden dienen soll. Unsere Geschichte? Die Freiheit. Sie war der Anstoß zu einer Geschichte hinter der Geschichte, was sich hieraus ergab, dass kann man auch nicht planen. Es ist ein unbeschreiblich aufregendes Gefühl, wenn man die Dinge einfach passieren lässt. Es war kein Fake oder gar etwas Gestelltes, es ist das reine Beobachten, als Zeuge der Zeit die Momente unverfälscht festzuhalten und wahrzunehmen was sich ergibt, genau das ist hier passiert. Sicherlich ist die Fotografie dabei nicht perfekt und auch nicht überlegt, aber darum ging es auch nicht. Es ging dabei auch weniger um eine durchdachte Produktion, sondern viel mehr darum eine tolle Zeit zusammen zu verbringen. Was sich hier im Wattmeer und auf Sylt in Form dieser Fotografien ergab, was am Rande dieser Zeit entstand, das ist ein Bonus.

Die Wahl für den Ort der Reise war dabei gut überlegt und führte uns bewusst nach Sylt und ins Wattmeer. Ich denke nur hier, wenn das Wasser gegangen ist und die Stille und die unendlichen Weiten sich ausgebreitet haben, nur dann kann sich ein Mensch völlig unbeeinflusst und frei entfalten, ganz er selbst sein und vielleicht sogar in Mitten dessen etwas völlig Neues an sich entdecken. Bei dieser Ruhe und in kleinen, aber ganz intensiven Augenblicken, kann man sie erkennen, die ganz besonderen und tiefgründigen Momente, in welchen man sich selbst entdeckt und man sich auch selbst auf ganz neue Weise kennenlernen kann. Spätestens wenn dann das Wasser immer schneller zurück kommt und sich seinen Weg zurück in Richtung Küste bahnt, dann spürt man am ganzen Körper, dass wir in einer unheimlich aufregenden Welt leben, dass das Leben als Leben in Fülle gemeint ist und dass wir uns dessen bewusst werden müssen.

Ich weiß nicht, was noch alles passieren wird und ich weiß auch nicht ob man tatsächlich den Rest seines Lebens nach etwas Streben sollte, aber wenn man im Verlauf der Zeit diese besonderen Momente und das pure Leben in sich fühlen kann, kann man nur zu einer Erkenntnis kommen – ICH BIN FREI!