EIN VORWORT – geschrieben von Alexander von Wiedenbeck (only english)

 

The moments are fading faster and the supermodels are gone. We are losing the truth with the knowledge that this madness has method. In the bling ring world with the circumstances of the 21st century, people run into the risk to forget what it is about… to forget about the essentials! At the end, there‘s just one possible conclusion – revolution! A revolution like Diana Vreeland brought about the 60s and Anna Wintour about the 90s!

 

The world is in desperate need to bring back the soul, hope & love in it. Feelings and emotions can be made visible, that truth is unique and different versions of it are at best bold claims or mistruths. Having attention for the right moment, not missing the essential, the moment that could change everything! Thereby it never has to be perfect at all, photography is something for heart, brain and gut, a witness of our own sensation of the reality within the moment – the essential.

 

 

„People work much in order to secure the future, I gave my mind much work
and trouble, trying to secure the past“

Isak Dinesen (1886-1962)

 

DIE ENTSTEHUNG – aller Anfang / ein Irrweg

 

Als ein Kind der frühen 80er, wurde Alexander von Wiedenbeck ohne Frage 30 Jahre zu früh oder 30 Jahre zu spät geboren. Vermeintlich zu jung, die einst glanzvollen Zeiten der Fotografie zu zelebrieren und doch auch zu alt, um sich mit der heutigen Entwicklung der Fotografie zu arrangieren. Er ist ein analoger Spieler in einer digitalen Welt.

 

Aber gehen wir zurück zum Anfang. Sehr früh entwickelte sich das Verlangen in Alexander von Wiedenbeck, seinen Lebensinhalt schöpferisch zu gestalten. Etwas „Echtes“ zu erschaffen war sein Wunsch. Doch wie das Leben oft spielt, sollte er sich auf diesem Weg verlieren. Nach dem Irrlauf einer technischen und einer weiteren kaufmännischen Ausbildung, führte ihn sein beruflicher Werdegang über Umwege und über ein Studium in der Medienwelt, im Jahr 2004 zur Gründung einer Werbeagentur.

 

Anfangs geblendet von den kreativen Möglichkeiten die sich ihm boten, verblasste der Zauber jedoch mit den Jahren und er realisierte, nur eine Marionette der Konsumgesellschaft zu sein. Unwahrheiten zu verkaufen, die Gegebenheiten anders darzustellen als sie tatsächlich sind, war sein täglich Brot. Das Klientel dabei „bien sur“ sehr hochkarätig und namhaften internationale Marken zählten zum Kundenkreis seiner Agentur. Doch je größer das Budget, desto mehr glich es einer Art Prostitution und die Selbstverwirklichung rückte zunehmend in den Schatten der Sklaverei seiner Dienstleistungen.

 

 

„Maybe the loneliness shaped my awareness!“
Alexander von Wiedenbeck

 

 

DER UMBRUCH – 400 Jahre / ein roter Faden

 

Aus diesen Schatten seiner selbst heraus, war es an der Zeit, das Leben wieder bewusst zu leben, sich auf das Wesentliche zu beschränken und seinen Träumen zu folgen, koste es was es wolle. So ließ Alexander im Jahr 2012 alles hinter sich und startete die erste, selbstbestimmte Produktion an seinem Bildband Obsession for Freedom, welcher eine Brücke bildete zwischen emotionalen Portraits und ungeschönten Modeaufnahmen die eher einer beiläufiger Straßenfotografie glichen. Es war für ihn eine Art Revolution zurück zu den alten Werten. Dabei beschränkte er sich, zum ersten Mal, ausschließlich auf die schwarz/weiß Fotografie, welche wie er selbst sagt, die Bilder und die Emotionen tatsächlich nur auf das Wesentliche beschränkt. Jenes, wonach seine Träume immer strebten – etwas „Echtes“.

 

Zu diesem Zeitpunkt war es ihm noch nicht bewusst, dass gerade die Mode eine weit größere Rolle in seinem Leben spielte als er dachte. Der Stammbaum der Familie Wiedenbeck, welcher bis ins Jahr 1634 zurück reicht, ist über die vielen Dekaden breit gefächert und die Familie rund um die Welt verteilt. Ein Aspekt der Familienchronik zieht sich jedoch durch die Jahrhunderte in den verschiedensten Abzweigungen des Stammbaumes, nämlich der Beruf des Mode-Schneiders. So war es vermutlich Schicksal, dass es ihn in der Mitte seines Lebens, bei der Suche nach seiner Selbstverwirklichung (zunächst) in den Bereich der Modefotografie zog.

 

Alexander nannte es damals „einen Sprung ins Ungewisse“, wobei man ihm, ohne zu zweifeln, beipflichten darf. Doch diese neu errungene Freiheit, die Befreiung von jener Prostitution die ihn fesselte, ist ein unendlich kostbares Geschenk, welches es sich lohnt danach zu streben. Und so kann er heute auf zahlreiche, dieser selbstbestimmten, schöpferischen Produktionen zurückblicken. Sei es für Werbekampagnen, Editorials oder schlichte Porträts, in jedem Fall brachte er das zum Ausdruck was ihn antreibt – das Wesentliche.

 

 

„Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit“
Joseph Heinrich Beuys (1921-1986)

 

 

DIE VERWANDLUNG – Status Quo / Status Futura

 

Im Laufe der Jahre und der unzähligen Fotoproduktionen mit großartigen Künstlern, Schauspielerinnen, Sängerinnen und Musikern von Hong Kong, über Paris bis nach New York und Los Angeles, hat die Welt Alexander viel Gutes gegeben. Er hat intensive Momente erlebt und die Entdeckung seiner selbst und seiner Leidenschaft für die echte Fotografie bereiteten ihm spannende Wege zu magischen Orten und ließen ihn großartige und einmalige Erfahrungen machen. Getrieben von unheimlicher Dankbarkeit für sein Leben, wuchs in ihm der Gedanke heran, der Welt nun etwas zurück zu geben, sich zu revanchieren. Doch wie, wo und vor allem bei wem? Zehn deutsche Hilfsorganisationen hatte er daher angeschrieben und seine Unterstützung angeboten und viel mehr noch, seine Vision in den Raum gestellt von einem Pionierprojekt der sozialen Verantwortung innerhalb der Fotografie. Nach zahlreichen Gesprächen, Überlegungen und beim Vergleich der knallharten Fakten, fiel die Wahl dann auf die Aktionsgruppe Kinder in Not e.V. aus Windhagen mit ihren Projekten auf den Philippinen. Friedhofskinder, Müllkippenkinder, Zwangsprostitution von Kindern waren dabei die Begriffe, welche Alexander erstarren ließen und ihn dazu bewegt hatten, hier zu beginnen.

 

Im Jahr 2015 reiste er deshalb gemeinsam mit der Hilfsorganisation auf die Philippinen, um dort die Friedhofs- und Müllkippenkinder zu besuchen, zu porträtieren und eine Reportage über deren Leben zu fotografieren. Im Anschluss entstand aus selbiger Strecke eine Wanderausstellung, bei welcher er sämtliche Erträge aus der Veräußerung der Exponate und des Ausstellungskataloges in jene Projekte auf die Philippinen spendet, wo auch tatsächlich die Aufnahmen entstanden sind. Bis dato wurden bereits zahlreiche Hilfsprojekte aus diesen Erlösen umgesetzt wie zum Beispiel der Bau mehrerer Brunnen für die Wasserversorgung und der Bau eines kleinen Schul- & Gesundheitszentrums in welchem über 200 Kleinkinder unterrichtet werden. Jüngst konnte aus den letzten Verkäufen seiner Fotografien eine komplette Vorschule in Cebu City auf den Philippinen für das komplette Schuljahr 2018 finanziert werden.

 

 

„They opened my heart, much more I ever thought it could be“
Alexander von Wiedenbeck

 

 

Doch sollte sich dieses Projekt nicht unerheblich auf seinen weiteren Werdegang auswirken. Zurück in der westlichen Welt in mitten von Show & Shine und einem Überangebot an materiellen Konsumgütern, war es schwer für ihn über die allgegenwärtige Oberflächlichkeit hinwegzusehen.

 

Noch im selben Jahr, unmittelbar nach der Reise auf die Philippinen, engagierte er sich ebenfalls für ein weiteres, länderübergreifendes Projekt der internationalen Hilfsorganisation CARE, welche sich mit der Stärkung der Frauenrecht in Nepal, Uganda und Äthiopien beschäftigt. In dem Thema um die Frauenrechte, sah Alexander eine große Verbindung zu seinem eigentlichen Genre, der Mode- & Portraitfotografie, bei welchem, selbst in der westlichen Welt, die Achtung und die Rechte der weiblichen Akteure nach wie vor ein Thema sind. Es schien daher nur konsequent seinem eigenen Weltbild gegenüber, sich hier zu engagieren. Die nun dort entstandenen Fotografien, fanden dabei Einzug in Publikationen zum Thema der Frauenrechte und werden bei zahlreichen Charity Ausstellungen der Hilfsorganisation gezeigt. Auch fanden bereits seit 2016, seine Fotografien aus diesen Projekten Einzug in die europäische Ausgabe des jährlichen CARE Calendar, dessen Erlöse ebenfalls in die besagten Hilfsprojekte fließen.

 

In den darauffolgenden Jahren, engagierte sich Alexander zunehmend mehr im Bereich der Reportagen für Hilfsorganisationen und erlangte dabei wichtige Erkenntnisse über sein eigenes Weltbild, ebenso wie über sich selbst als Mensch und seine Persönlichkeit. Das Zentrum seines kreativen Schaffens verlagerte sich nun noch mehr um das Wesentliche worauf es ankommt, das was uns alle antreibt – die Hoffnung, Liebe, Glück und unsere Stärke nach dem zu Streben was wir uns tief im Inneren wünschen!

 

Heute, inmitten seiner 30er Jahre, hat Alexander von Wiedenbeck sich oft verwandelt, um letztendlich dort zu landen wo er jetzt steht – mitten im Leben. Angekommen in der Selbstverwirklichung und mit jener Fotografie, für welche er früher vermeintlich zu jung war. Echte, unverfälschte Momente festzuhalten, die „echte“ Fotografie zu zelebrieren, unabhängig dem heutigen, modernen und doch geblendeten Verständnis von selbiger, macht er ausnahmslos das, wonach sein Herz strebt – er fotografiert – das Wesentliche!

Alexander von Wiedenbeck - Fashion and Reportage Photography